Hoffen – kavah …

Unfromme Gedanken über christliche Spiritualität: hoffen – kavah…
Was oder worauf hoffst du? Kann Hoffnung mehr sein als nur eine ungewisse, vage Sache? Passen Hoffnung und Gewissheit überhaupt zusammen?

Die Kontaktlinse

Eine wahre Geschichte zur Ermutigung, erlebt und aufgeschrieben von Josh und Karen Zarandona.

„Brenda, eine junge Frau, war zum Klettern eingeladen worden. Obwohl sie Todesangst hatte, ging sie doch mit ihrer Gruppe zu einem großen Granitfelsen. Trotz ihrer Angst, legte sie ihre Ausrüstung an, packte das Seil und startete zum Gipfel des Felsen. Schließlich gelang sie zu einem Vorsprung, wo sie eine Verschnaufpause einlegen konnte. Während sie dort oben hing, schlug das Sicherheitsseil gegen ihr Auge, sodass die Kontaktlinse herausfiel.

Natürlich suchte und suchte sie immer wieder nach der Linse, in der Hoffnung, dass sie auf dem Vorsprung gelandet war, doch sie fand sie nicht. Da saß sie nun, weit weg von zuhause mit benebelter Sicht. Sie war verzweifelt und verärgert. Sie betete zum Herrn, dass er ihr helfen möge die Linse zu finden. Als sie zum Gipfel gelangten, untersuchte ein Freund ihre Kleidung, doch die Linse war nicht zu finden. Verzweifelt saß sie dort oben mit ihren Freunden und wartete bis der Rest der Gruppe auch bis zum Gipfel kam.
Sie sah in die Weite auf die Bergketten, die sich aneinanderreihten und dachte: ‚Herr, du siehst all diese Berge. Du siehst jeden Stein und jedes Blatt und du weißt genau, wo meine Kontaktlinse ist. Bitte hilf mir.‘

Schließlich stiegen sie auf dem Abstiegspfad vom Berg herunter. Unten bereitete sich gerade eine neue Gruppe auf den Aufstieg vor. Einer aus der Gruppe rief plötzlich: ‚Hey Leute, vermisst einer von euch eine Kontaktlinse?‘ Zugegeben, das alleine wäre schon erstaunlich genug, doch wisst ihr, wo der Kletterer sie entdeckt hatte? Eine Ameise bewegte sich langsam auf einem Stein, die Linse mühsam schleppend.

Brenda sagte mir, dass ihr Vater ein Cartoonzeichner ist. Als sie ihm die unglaubliche Geschichte von der Ameise, der Linse und dem Gebet erzählte, zeichnete er ein Bild einer Ameise, die eine Kontaktlinse schleppte, mit den Worten: ‚Gott, ich weiß nicht warum du möchtest, dass ich dieses Ding schleppe. Ich kann es nicht essen und es ist unheimlich schwer. Doch wenn du es von mir erwartest, dann werde ich dieses Ding für dich schleppen.‘“

Ich denke es würde uns guttun, wenn wir von Zeit zu Zeit sagen würden: „Gott, ich weiß nicht warum du willst, dass ich diese Last trage. Ich kann nichts Positives darin erkennen und sie ist unheimlich schwer. Doch wenn du willst, dass ich diese Last trage, dann will ich es tun.“

In Jeremia 29 Vers 11 steht eine wunderbare Zusage, die für jeden von uns gilt: „Denn ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der Herr, werde euch Frieden schenken und euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung.“

Schön zu wissen, dass Gott weiß, was er mit uns vorhat!

Gelassenheit, Mut und Weisheit

Im Bildungszentrum der Daimler-Benz AG hängt ein prägnanter Spruch, der für die derzeitige Situation nicht passender sein könnte:

„Gott gebe mir
die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut,
Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit,
das eine von dem anderen zu unterscheiden.“

(Friedrich Christoph Oetinger 1702-1782)

Das ist mehr als nur ein Spruch, sogar mehr als ein kurzes Gebet. Eigentlich ist es eine Lebenshaltung, mich ganz und gar zu jeder Zeit von Jesus Christus führen zu lassen. Für uns konkret formuliert könnte dieses Gebet in etwa so lauten: „Herr, in jedem Moment, der heute und in der nächsten Woche auf mich einstürmt, möchte ich auf DICH hören und mich auf DICH verlassen. Gib mir Gelassenheit oder Mut, vor allem aber die Weisheit, in jeder Situation die richtige Entscheidung, DEINE Entscheidung, zu treffen!“

Übrigens: ER lässt sich nicht zweimal bitten!

Na dann, viel Gelassenheit, Mut und Weisheit!

Social Distancing?

Wer hat wohl diesen Begriff erfunden? „Das öffentliche Leben wird langsam wieder hochgefahren, aber unter strengen Regeln“, so lautet das derzeitige Credo. Dazu gehört natürlich „social distancing“. Aber ist das wirklich das, was wir wollen oder brauchen? In Neuseeland wird dieses Konzept wesentlich treffender als „physical distancing“ bezeichnet.

Ich habe den Eindruck, dass „social distancing“ in unseren westlichen Gesellschaften schon länger die Norm für unser Zusammenleben ist: Individualismus. Selbstbezogenheit. Meine Entscheidungen gehen nur mich etwas an. Profile auf den sozialen Medien, hinter denen man seine wahre Persönlichkeit gut verstecken kann. All das prägt doch längst unseren Alltag. Fehler werden nicht gerne gezeigt, müssen wegretuschiert werden. Die vermeintlich Starken, Erfolgreichen, Reichen und Schönen fordern und bekommen Anbetung…

Die ersten Christen waren bekannt dafür, dass sie sich um die Schwachen, Armen, Bedürftigen, Aussätzigen in jeder Form kümmerten. Man fand die Nachfolger Jesu bei den Kranken und Notleidenden. Sie lebten „soziale Nähe“ und veränderten dadurch die Welt. Jesus berührte die Unberührbaren… das wäre heute der Skandal schlechthin. War es damals übrigens auch.

Durch „soziale Nähe“ erreicht Jesu Liebe diejenigen Menschen, die in Isolation, Furcht und Abgeschiedenheit leben. Was wir brauchen ist nicht in erster Linie „physical distancing“, sondern „soziale Nähe“. Denn Nähe ist, was wir Menschen brauchen. Wir brauchen jemanden, der uns wahrnimmt und sieht. Natürlich erfordert das von uns Jesus-Nachfolgern Kreativität und viel Weisheit, aber sind das nicht gerade die zwei Eigenschaften, die Kennzeichen der ersten Christen waren?

Leben wir also klug und kreativ in „physical distance und gleichzeitig sozialer Nähe“. Und zwar jetzt erst recht, wo die Möglichkeiten dazu wieder mehr werden.